Grundschule Sickte
Grundschule Sickte

Das Churer-Modell: erfolgreiches und herausforderndes Lernen für alle

Seit dem 2. Schulhalbjahr 24/25 findet der Unterricht an der Grundschule Sickte in Anlehnung an das sogenannte Churer-Modell statt. In Anlehnung meint, dass jede Kollegin und jeder Kollege individuell für und mit der Klasse entscheidet, welche Aspekte von dem Modell aufgegriffen werden und wann ein neuer Aspekt hinzugenommen werden kann. 

Zunächst stellen wir Ihnen das Churer-Modell vor, wie es in der Literatur beschrieben wird und wie wir es in unserer schulinternen Lehrerfortbildung kennengelernt haben. In einem zweiten Teil beschreiben wir unsere bisherigen Erfahrungen. 

 

Das Churer-Modell wurde von Reto Thöny in der Schweiz entwickelt und ist langjährig erprobt. Es beinhaltet die 4 Grundelemente:

 

  • die Gestaltung des Klassenzimmers
  • Inputs im Sitzkreis 
  • Lernen mit Lernaufgaben 
  • freie Arbeitsplatzwahl.

 

Dem Klassenzimmer als Lernort kommt eine besonders wichtige Bedeutung zu. Durch das Umstellen der Möbel entstehen Lernplätze, die konzentriertes, selbständiges Arbeiten ermöglichen. Es gibt Plätze für stille Einzelarbeit aber auch für kommunikative Gruppenarbeiten, außerdem einen Tisch für die intensive Beratung durch Lehrkräfte. 


Während im linken Bild eine frontal ausgerichtete Sitzordnung zu sehen ist, zeigt das Bild rechts, wie ein Klassenzimmer nach dem Churer-Modell aussehen könnte.

Zentrales Element ist der feste Sitzkreis. Hier werden zu Stundenbeginn neue Inhalte besprochen, Lernaufgaben erklärt und Fragen beantwortet. Inputphasen werden dabei möglichst kurz gehalten, um die effektive Lernzeit zu erhöhen.

 

Im Anschluss dürfen die Kinder ihren Arbeitsplatz frei wählen. Es kann auch möglich sein, auf dem Boden, in einer Nische, im Stehen oder Liegen zu arbeiten. Die Kinder können häufig selbstständig entscheiden, ob sie eine Aufgabe allein oder gemeinsam mit einem anderen Kind bearbeiten. 

 

Zur vertiefenden Umsetzung des Churer-Modells gehören außerdem differenzierte Lernaufgaben. Das sind Aufgaben auf unterschiedlichen Lernniveaus, die den individuellen Entwicklungsstand und die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen berücksichtigen. Die Kinder lernen, ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten richtig einzuschätzen um passende Lernaufgabe auszuwählen. Dabei werden sie selbstverständlich durch die Lehrkraft beratend unterstützt. Diese „agiert, mischt sich ein, steuert, setzt Erwartungen an die Klasse als Gruppe und an die Lernenden individuell.“ (Thöny 2017) Nach jeder Lerneinheit wird durch Lernkontrollen überprüft und beurteilt, welche Lernziele erreicht wurden. 

 

Viele der Bausteine sind den Kindern bereits aus unserem früheren Schulalltag bekannt – z.B. der Sitzkreis, differenzierte Aufgaben und phasenweise auch die freie Wahl des Lernortes. Im Churer-Modell werden all diese lernförderlichen Aspekte konsequent zu einem Lernsetting zusammengefasst, das erfolgreiches und herausforderndes Lernen für alle ermöglicht.

 

Was sind die Vorteile des Churer-Modells? 

Schulen, die bereits nach dem Modell unterrichten, berichten von größerer Motivation, einem positiveren Arbeits- und Lernverhalten, weniger disziplinarischen Schwierigkeiten und insgesamt mehr effektiver Lernzeit. Das Churer-Modell fördert die Entwicklung zu mehr Eigenständigkeit und Selbstbestimmung. Kinder lernen, sich selbstständig zu organisieren und zu arbeiten. Sie übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Lernen. Das Lernsetting erleichtert Binnendifferenzierung und individuelle Förderung im Unterricht. Die Lehrkraft kann besser auf die Lern-Bedürfnisse und die unterschiedlichen Voraussetzungen aller Kinder eingehen. Außerdem erwerben die Kinder soziale Kompetenzen, sie lernen von- und miteinander.

 

Weitere Infos zum Churer-Modell finden sich zum Beispiel hier.

 

Unsere bisherigen Erfahrungen mit dem Churer-Modell an der Grundschule Sickte bestätigen in hohem Maße die vorab beschriebenen Vorteile. Im Klassenraum der 4b sieht man eine nach dem Churer-Modell gestaltete Lernumgebung, welche sich seit 1,5 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt hat. Der Raum wurde immer mal wieder umgestellt und an die Bedürfnisse der Kinder angepasst. In der 3. Klasse besaß jedes Kind für einen Zeitraum von ca. 4 Wochen noch einen festen Sitzplatz, was von den Kindern so gefordert wurde. In der 4. Klasse wollten die Kinder einen Schritt weitergehen sodass sie nun keine festen Sitzplätze mehr haben. Die Ranzen werden im Gruppenraum abgestellt, die Etuis, Hausaufgabenhefte und Hausaufgaben werden morgens aus dem Schulranzen genommen und in die Ablagefächer in der Klasse gelegt und am Ende des Schultages wieder in den Ranzen geräumt. Der Unterricht startet im Sitzkreis, wo in das jeweilige Unterrichtsthema eingeführt wird. Für die Arbeitsphase besprechen sich die Kinder kurz und gehen zügig an ihre gewählten Arbeitsplätze. Dies geht leise vonstatten und es finden sich von Stunde zu Stunde neue Lernkonstellationen, wovon alle Kinder profitieren. Sie stellen für sich immer wieder fest, wo sie besonders gut arbeiten konnten. Die Arbeitsatmosphäre ist in Stillarbeitsphasen ausgesprochen leise. In Partner- oder Gruppenarbeitsphasen gibt es genügend Nischen, in die sich die Kinder zurückziehen können. Der Lehrertisch integriert sich in die Lernumgebung der Kinder. 

Insgesamt sind wir Lehrkräfte sehr zufrieden mit unseren bisherigen Erfahrungen und freuen uns, dass wir uns auf einen neuen, zeitgemäßen Weg gemacht haben.  

Quellenangabe: 

  • https://churermodell.ch/index.php
  • Thöny, Reto (2017): Churermodell – mit Struktur und Haltung zur Öffnung des Unterrichts. In: SCHULE konkret 6/2017 «Chaos und Ordnung» Churermodell – mit Struktur und Haltung zur Öffnung des Unterrichts. (https://churermodell.ch/images/Beitrage/Publikationen/SCHULEkonkret%2062017.pdf).

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